DaaS & Virtual Desktop · Glossar

VDI (Virtual Desktop Infrastructure)

Das Urgestein der Desktop-Virtualisierung: Jeder User bekommt eine dedizierte virtuelle Maschine, die zentral im Rechenzentrum läuft. Wann ist klassisches VDI noch sinnvoll — und wann ist DaaS die bessere Wahl?

Auf einen Blick
1999
VDI-Konzept erstmals verwendet
1:1
User zu VM-Verhältnis
On-Prem
Klassischer Deployment-Ort
CapEx
Hohe Vorab-Investition

Was ist VDI?

VDI (Virtual Desktop Infrastructure) beschreibt eine IT-Architektur, bei der Desktop-Betriebssysteme (Windows 10/11, selten Linux) als virtuelle Maschinen im Rechenzentrum laufen und per Remote-Display-Protokoll (RDP, HDX, Blast, PCoIP) zum Endgerät übertragen werden.

Der grundlegende Unterschied zu Terminal Server / RDS: Bei VDI bekommt jeder User eine eigene, dedizierte VM — mit eigenem OS, eigenen Ressourcen, eigenen Admin-Rechten falls gewünscht. Klassisch ist das 1:1-Verhältnis User zu VM.

VDI ≠ DaaS: VDI bezeichnet die zugrundeliegende Technologie-Architektur. DaaS (Desktop-as-a-Service) ist das Service-Modell — VDI wird von einem Anbieter als Cloud-Service betrieben. AVD, Windows 365, Citrix DaaS sind DaaS-Services, die intern VDI-Architektur nutzen.

VDI-Architektur im Überblick

KomponenteRolleBeispiel-Produkt
HypervisorVirtualisiert die physische HardwareVMware vSphere, Microsoft Hyper-V, Nutanix AHV
Broker/Connection-ServerLeitet User zu verfügbaren VMsCitrix DDC, Omnissa Connection Server, AVD Broker
Display-ProtokollÜberträgt Bildschirm zum EndgerätHDX, Blast Extreme, RDP, PCoIP
StorageSpeichert VMs & ProfileSAN, vSAN, Pure Storage, NetApp
Profil-ManagerUser-Daten über Sessions hinwegFSLogix, Citrix UPM, DEM
EndgerätThin Client, PC, MobileIGEL, LG Thin Client, normaler PC

Persistent vs. Non-Persistent

  • Persistent VDI (Dedicated): Jede VM gehört einem festen User. Änderungen bleiben erhalten. Hoher Storage-Bedarf (~50-100 GB pro User). Gut für Power-User, Entwickler, CAD.
  • Non-Persistent VDI (Pooled): VMs werden nach Logout zurückgesetzt. User-Daten über Profil-Container (FSLogix). Deutlich günstiger, aber braucht gute Applikations-Delivery.

VDI (On-Prem) vs. DaaS (Cloud)

🏢

Klassisches VDI (On-Prem)

  • KostenCapEx — Hardware, Lizenzen vorab
  • SkalierungLangsam — neue Hardware beschaffen
  • KontrolleMaximum — eigene Hardware, eigene Daten
  • Setup-ZeitMonate
  • ComplianceIdeal für Air-Gap & Datenhoheit
☁️

DaaS (Cloud)

  • KostenOpEx — nutzungsbasiert abrechnen
  • SkalierungMinuten — per Klick dazu
  • KontrolleGeteilt — Anbieter managt Infra
  • Setup-ZeitTage bis Wochen
  • ComplianceJe nach Cloud-Region möglich

VDI-Kostenbeispiel (On-Prem, 200 User)

Typisches On-Prem-VDI-Setup für 200 persistente Desktops mit VMware Horizon (5-Jahres-Kalkulation):

PostenEinmalig (CapEx)Jährlich (OpEx)
Server-Hardware (4× Dell R750)~100.000 €~5.000 € Wartung
Storage (All-Flash, 40 TB)~60.000 €~3.000 € Wartung
Netzwerk (Switches, Firewall)~20.000 €~1.000 € Wartung
VMware vSphere~30.000 €~8.000 € Subscription
Horizon Enterprise (200×)~48.000 €
Microsoft VDA (200×)~16.800 €
Betrieb (1 FTE anteilig)~50.000 €
Summe Jahr 1~210.000 €~131.800 €
Jahre 2-5~131.800 €/Jahr
5-Jahres-TCO~870.000 € = ~72 €/User/Monat

Vergleich: AVD Multi-Session + Autoscaling käme auf ~30-35 €/User/Monat für vergleichbare Workloads — deutlich günstiger, aber eben Cloud statt On-Prem.

Wann ist klassisches VDI heute noch sinnvoll?

Starke Kandidaten für On-Prem-VDI

  • Air-Gap-Umgebungen — Verteidigung, Forschung, KRITIS
  • Niedrige Latenz-Anforderungen — Trading, Radiologie mit Live-Bildbearbeitung
  • Datenhoheit — Daten dürfen das eigene Rechenzentrum nicht verlassen
  • Vorhandene vSphere-Infrastruktur — Hardware bereits abgeschrieben, Skills vorhanden
  • Vorhersehbare User-Zahlen — kein Bedarf für schnelles Skalieren

VDI ist NICHT mehr ideal, wenn

  • Flexible Skalierung gebraucht wird (saisonal, projektbasiert)
  • Remote-Arbeit das primäre Szenario ist (Cloud-DaaS ist effizienter)
  • Kein dediziertes Virtualisierungs-Team vorhanden ist
  • Kleine Unternehmen mit < 100 Usern (Fixkosten zu hoch)
  • GPU-Intensive Arbeit mit Bedarf an neuester Hardware (Azure NVv4 ist oft aktueller als On-Prem)

VDI im DaaS-Vergleich

Die DaaS Maps stellen VDI-Plattformen (Citrix, Horizon, Parallels) im direkten Vergleich zu Cloud-DaaS dar — inkl. TCO-Rechnungen und Migrations-Pfaden. Zum Austausch über VDI-zu-Cloud-Strategien trefft ihr mich auf LinkedIn.