RDS (Remote Desktop Services)
Microsofts Server-basierte Desktop- und App-Virtualisierung. Vor AVD und Windows 365 war RDS *die* Microsoft-Lösung — und ist es in vielen Fällen immer noch. Wann ist klassisches RDS die richtige Wahl?
Was ist RDS?
Remote Desktop Services (RDS) ist eine Rollengruppe innerhalb von Windows Server, die es mehreren Benutzern erlaubt, gleichzeitig Sessions auf einem Server zu öffnen — entweder als vollständige Desktops oder als veröffentlichte Apps.
RDS war bis etwa 2019 der Standard für Windows-App-Virtualisierung in Unternehmen. Mit AVD und Windows 365 wurde der Fokus auf Cloud-Angebote verschoben, aber RDS wird weiterhin unterstützt und ist für viele Szenarien nach wie vor relevant.
RDS ≠ Multi-Session: Klassisches RDS nutzt Windows Server-OS (2019/2022/2025). Die Oberfläche ist die Server-Shell, nicht Windows 11. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Multi-Session Windows auf AVD, wo User einen echten Windows-11-Desktop sehen.
Frühere Namen
- Terminal Services (1998, Windows NT 4.0 Server TS Edition)
- Windows Terminal Services (Windows Server 2000/2003)
- Remote Desktop Services (seit Windows Server 2008 R2)
RDS-Rollen im Überblick
| Rolle | Funktion | Anzahl |
|---|---|---|
| RD Session Host | Windows-Server, auf dem User-Sessions laufen | 1-n (je nach Skalierung) |
| RD Connection Broker | Leitet User an verfügbare Session Hosts, Load-Balancing | 1-2 (HA empfohlen) |
| RD Web Access | Browser-Portal zum Auflisten verfügbarer Apps/Desktops | 1-2 |
| RD Gateway | HTTPS-Tunnel für externe User (Port 443) | 1-2 |
| RD Licensing | Lizenz-Server für RDS CALs | 1-2 |
| RD Virtualization Host | Für VDI-Szenarien (VM-basiert, eher selten) | Optional |
Für kleine Setups reicht ein einzelner Server mit Session-Host-Rolle, bei größeren Umgebungen werden die Rollen auf dedizierte Server verteilt.
Lizenzierung: Die komplexeste Seite von RDS
RDS-Lizenzierung ist einer der kompliziertesten Bereiche im Microsoft-Portfolio. Jeder RDS-User braucht mehrere Lizenzen:
- Windows Server Lizenz — Standard oder Datacenter, pro Core
- Windows Server CAL — pro User oder Gerät
- RDS CAL — zusätzlich zur Windows Server CAL, pro User oder Gerät
- Applikations-Lizenzen — viele Hersteller verlangen spezielle Terminal-Server-Lizenzen (höher als normale Desktop-Lizenzen)
Lizenzfalle SPLA: In Hosting-Szenarien (MSP, Managed Service Provider) braucht man Microsoft SPLA-Lizenzen für RDS — das ist ein monatlich abgerechnetes Modell, das viele MSPs stolpern lässt. Besonders kritisch: Outsourcing darf nicht mit eigenen Enterprise-Agreements gemacht werden.
RDS vs. Multi-Session Windows
RDS (Windows Server)
- OSWindows Server 2019/2022/2025
- OberflächeServer-Desktop (Server Manager sichtbar)
- App-KompatibilitätManche Apps verweigern Installation
- LizenzenWindows Server CAL + RDS CAL
- VerfügbarkeitJede Plattform (Azure, AWS, On-Prem)
Multi-Session Windows
- OSWindows 11 Enterprise Multi-Session
- OberflächeWindows 11 Consumer-Desktop
- App-Kompatibilität100 % (wie auf einem PC)
- LizenzenM365 E3/E5 inklusive
- VerfügbarkeitNur Microsoft Azure
Wann ist RDS heute noch sinnvoll?
Starke Kandidaten für RDS
- On-Prem-Setups — eigenes Rechenzentrum, keine Cloud
- KMU mit einem einfachen App-Publishing-Bedarf — 1-2 Terminal Server reichen
- Multi-Cloud / Non-Azure — AWS, GCP, eigene Hoster — Multi-Session Windows geht dort nicht
- Integration mit oneClick / Parallels RAS — Broker-Plattformen, die Windows Server RDSH nutzen
- Bestehende RDS-Umgebungen — Migration zu AVD lohnt nicht immer
- Spezielle Branchenlösungen — manche Software (SAP GUI alt, alte DATEV-Versionen) läuft nur auf Server-OS
RDS ist NICHT ideal, wenn
- Cloud-native Strategie — AVD + W365 mit M365 E3/E5 ist oft günstiger und moderner
- Moderne Apps — Teams/OneDrive/moderne UWPs laufen am besten auf Windows 11 Multi-Session
- Kleine User-Zahlen & Flexibilität — Windows 365 ist für KMU einfacher
- Lizenz-Komplexität vermeiden — AVD mit M365 E3 ist deutlich weniger CAL-heavy
RDS in der DaaS-Landschaft
Die DaaS Maps zeigen RDS-basierte Plattformen (oneClick, Parallels) im Vergleich zu modernen Cloud-DaaS-Services. Für Diskussionen zu RDS-Migrationsstrategien auf AVD trefft ihr mich auf LinkedIn.