Klartext · Serie von Sofiane Salmi Ausgabe #01 · Cloud-Architektur
Klartext · Ausgabe 01 · Lesezeit ~6 Min.
Ich verstehe Azure Landing Zones einfach nicht.

Ein Satz, der mir immer wieder begegnet

Azure Landing Zones — einfach erklärt

Und ehrlich gesagt: Ich kann’s nachvollziehen. Cloud-Architektur klingt abstrakt — aber was wäre, wenn wir sie wie einen klassischen Serverraum denken?

Herstellerunabhängig
10+ Jahre DACH-Praxis
Für Entscheider und Einsteiger
Grundlagen

Was ist eine Azure Landing Zone?

Eine Azure Landing Zone ist die vorbereitete Umgebung, in die Anwendungen später einziehen — mit Netzwerk, Zugriffsregeln, Namenskonventionen und Kostenzuordnung, bevor die erste virtuelle Maschine startet. Nicht die Anwendung selbst, sondern der Rahmen, in dem sie sicher und nachvollziehbar betrieben werden kann.

Der Begriff stammt aus dem Microsoft Cloud Adoption Framework. Er beschreibt keine einzelne Technologie, sondern ein Bündel aus Entscheidungen, die man einmal trifft und danach nicht mehr jedes Mal neu diskutiert.

Vier Kernfragen

Die vier Fragen, die eine Landing Zone beantwortet

01

Wie ist das Ganze gegliedert?

Management Groups fassen Subscriptions zusammen, Subscriptions bündeln Resource Groups, darin liegen die eigentlichen Ressourcen. Diese Hierarchie entscheidet, wo Regeln greifen und wie Kosten zugeordnet werden.

02

Wer darf was?

Zugriffsrechte werden über Rollen vergeben, nicht über einzelne Personen. Wer eine Aufgabe übernimmt, bekommt die Rolle — wer sie abgibt, verliert sie automatisch.

03

Wie fließt der Verkehr?

Das Netzdesign legt fest, welche Bereiche miteinander sprechen dürfen. Das gängige Muster heißt Hub-and-Spoke: ein zentraler Bereich mit gemeinsamen Diensten, daran angebunden die einzelnen Arbeitsbereiche.

04

Was ist erlaubt?

Azure Policy prüft jede Ressource beim Anlegen gegen die festgelegten Regeln — welche Regionen zulässig sind, welche Verschlüsselung Pflicht ist, welche Kennzeichnungen fehlen dürfen und welche nicht.

Zeitpunkt der Entscheidung

Warum das vor dem ersten Projekt geklärt sein sollte

Eine Landing Zone lässt sich nachträglich bauen. Nur wird sie dann teuer.

Wer sie nachholt

Trifft Entscheidungen unter Zeitdruck

Jede Ressource, die bereits läuft, muss umgezogen, neu benannt oder neu berechtigt werden — im laufenden Betrieb, mit allen Abhängigkeiten, die inzwischen entstanden sind.

Wer sie vorher anlegt

Trifft dieselben Entscheidungen einmal

Struktur, Rollen, Regeln, Netzdesign werden vor dem ersten produktiven Workload festgelegt. Danach wird nicht mehr im Einzelfall verhandelt, sondern der Rahmen wird genutzt.

Wie sich diese vier Bereiche anfühlen, wenn man sie sich als Gebäude vorstellt, zeigt der folgende Abschnitt.

Vor dem ersten Rack

Erst planen, dann ausstatten

Niemand stellt ein Serverrack in einen Raum, ohne vorher nachgedacht zu haben. Genau diese Überlegungen fehlen bei Cloud-Projekten erstaunlich oft — obwohl sie dieselben sind.

Bevor der erste Server in einen Raum kommt, klärt man eine Reihe von Fragen. Wo steht der Raum überhaupt? Erdgeschoss oder Keller, Hochwassergefahr, wie weit zum nächsten Stromanschluss. Wie viele Racks passen hinein, und wie viel Platz bleibt zum Nachrüsten? Wie viele Server pro Rack, und trägt die Kühlung das auch im Sommer?

Dann die Fragen, an die man erst denkt, wenn etwas passiert: Welche Löschanlage — Wasser zerstört, was sie retten soll, also Gas. Wer kommt im Notfall hinein, und wie schnell? Was passiert bei Stromausfall — überbrückt die unterbrechungsfreie Versorgung lange genug, bis das Notstromaggregat läuft?

Keine dieser Fragen betrifft einen einzelnen Server. Alle betreffen den Rahmen, in dem Server später stehen.

Und genau das ist eine Landing Zone. Wo liegen die Daten — welche Region? Wie viele Subscriptions brauchen wir, und wie schneiden wir sie? Was passiert, wenn jemand versehentlich eine Ressource in der falschen Region anlegt — greift eine Regel, oder merkt es niemand? Wer kommt im Notfall an die Umgebung, und wie wird das protokolliert?

Der Unterschied zum Serverraum ist nur, dass man in der Cloud jederzeit weiterbauen kann. Das klingt nach Freiheit, ist aber die eigentliche Gefahr: Im Serverraum zwingt der Platzmangel zur Planung. In der Cloud kann man beliebig lange ohne Ordnung wachsen — und merkt es erst, wenn niemand mehr sagen kann, wem welche Ressource gehört und was sie kostet.

Wer das Bild größer denken möchte: In Sofian’s City wird dieselbe Landschaft als ganze Stadt beschrieben — mit Identitäts-Rathaus, Verkehrsführung und Bauordnung. Die Landing Zone ist darin die Bauordnung, die festlegt, was überhaupt gebaut werden darf.

Die Analogie · auf einen Blick

Zwei Welten, eine Logik

Die Prinzipien eines gut geplanten Serverraums lassen sich fast eins zu eins auf eine Azure Landing Zone übertragen. Wer das eine kennt, hat den Einstieg ins andere bereits geschafft.

Vergleich Serverraum und Azure Landing Zone

Dieselbe Logik · anderes Medium
Darstellung: eigene Grafik, KI-gestützt erstellt

Das Mapping · im Detail

Achtzehn Konzepte,
achtzehn Übersetzungen

Jede Ebene der Azure Landing Zone hat ihr direktes Gegenstück im Serverraum. Wenn Sie diese achtzehn Zuordnungen einmal verinnerlicht haben, wird der Rest der Cloud-Terminologie plötzlich intuitiv.

ANr. 1 · 9
Physisch

Das Gebäude

Der übergeordnete Rahmen, in dem alles steht. Adresse, Zutritt, Verantwortung sind hier verankert.

Azure

Subscription

Die oberste Abrechnungs- und Verwaltungseinheit. Alles darunter gehört organisatorisch zu einer Subscription.

BNr. 2 · 10
Physisch

Das Serverrack

Bündelt Server, die logisch zusammengehören — nach Anwendung, Umgebung oder Team.

Azure

Resource Group

Gruppiert Azure-Ressourcen, die einen gemeinsamen Lebenszyklus, Standort oder Verantwortlichen teilen.

CNr. 3 · 11
Physisch

Die einzelnen Server

Die Arbeitspferde: physische Maschinen mit CPU, RAM, Storage und einer klar definierten Aufgabe.

Azure

Resources

Virtuelle Maschinen, Storage Accounts, App Services, SQL-Datenbanken — alles, was Compute oder Storage liefert.

DNr. 6 · 14
Physisch

Der Gebäudekomplex

Mehrere Gebäude auf einem Campus, die gemeinsam verwaltet werden — mit übergeordneten Regeln für alle Standorte.

Azure

Management Group

Bündelt mehrere Subscriptions und vererbt Policies und Zugriffsrechte hierarchisch nach unten.

ENr. 10 · 15
Physisch

Die Raumbeschriftung

Inventaraufkleber und Türschilder — auf einen Blick erkennbar, wozu ein Raum gehört und wer zuständig ist.

Azure

Tags

Metadaten wie Kostenstelle, Umgebung oder Owner, die an Ressourcen hängen — wichtig für Abrechnung und Ordnung.

FNr. 8 · 16
Physisch

Die Bauvorschriften

Brandschutz, Fluchtwege, Statik — Vorgaben, die beim Bau automatisch eingehalten werden müssen, ohne Diskussion im Einzelfall.

Azure

Azure Policy

Erzwingt Regeln automatisch — etwa erlaubte Regionen oder Pflicht-Tags — und verhindert Abweichungen direkt bei der Erstellung.

GNr. 4 · 12
Physisch

Der Hauptschlüssel

Öffnet alle Türen. Wer ihn hat, kann überall rein — Segen und Risiko zugleich.

Azure

Owner-Rolle

Volle Kontrolle über alle Ressourcen — inklusive Berechtigungsvergabe. Sparsam einsetzen und über PIM absichern.

HNr. 5 · 13
Physisch

Die Zugangskontrolle

Kartensysteme, Türcodes, Videoüberwachung — regelt, wer welchen Raum betreten darf und wann.

Azure

Azure RBAC

Role-Based Access Control regelt granular, welche Identität welche Aktion auf welchem Scope ausführen darf.

Inicht in Grafik
Physisch

Das Speichersystem

SAN und NAS im Serverraum: die zentrale Ablage für Dateien und Datenbanken — mit RAID gegen den Plattenausfall.

Azure

Storage Account

Zentraler Speicher für Blobs, Dateien, Tabellen und Warteschlangen — Redundanz per Konfiguration statt per RAID-Controller.

Jnicht in Grafik
Physisch

Das Monitoring

Alarme, Sensoren, Temperatur- und Stromüberwachung: Störungen sollen auffallen, bevor jemand sie meldet.

Azure

Azure Monitor

Metriken, Logs und Alarme für alle Ressourcen — die Sensorik der Cloud, inklusive Benachrichtigung, bevor etwas ausfällt.

Knicht in Grafik
Physisch

Der Tresor

Zertifikate, Schlüssel und Wertsachen liegen nicht im Regal, sondern im Tresor — mit dokumentiertem Zugriff.

Azure

Key Vault

Verwahrt Secrets, Zertifikate und Schlüssel zentral; Anwendungen holen sie zur Laufzeit ab, statt sie im Code zu tragen.

Lnicht in Grafik
Physisch

Der Notfallschlüssel

Im versiegelten Kasten für den Ernstfall: Wenn Kartensystem oder Schließanlage versagen, kommt man trotzdem hinein.

Azure

Break-Glass-Konto

Ein Notfallzugang außerhalb der normalen Regeln — streng überwacht, dokumentiert und ausschließlich für den Ernstfall.

Mnicht in Grafik
Physisch

Die Verkabelung

Netzwerkverkabelung, Switches und Router — sie legen fest, welche Bereiche im Haus miteinander sprechen dürfen.

Azure

Virtual Network

VNet, Peering, Gateways und NSGs — das innere Verbindungsnetz, das den Verkehr zwischen den Ressourcen steuert.

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Physisch

Die Backup-Bänder

Regelmäßige Sicherungen auf Bändern, gelagert im externen Tresor oder am Disaster-Recovery-Standort.

Azure

Azure Backup

Azure Backup, Site Recovery und Geo-Redundanz — versionierte Sicherungen, an einem geografisch getrennten Ort abgelegt.

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Physisch

Der Zweitstandort

Mehrere Gebäude in verschiedenen Städten oder Campus-Teile mit unabhängiger Strom- und Netzversorgung.

Azure

Regions & Availability Zones

Multi-Region-Deployment und Availability Zones — damit ein Ausfall an einem Ort nicht alles lahmlegt.

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Physisch

Der Bauplan

Blaupause, Statik-Berechnung und dokumentierte Aufbau-Verfahren — kein seriöses Bauprojekt startet ohne sie.

Azure

Infrastructure as Code

Bicep, Terraform, ARM-Templates und Pipelines — die Landing Zone wird in Code beschrieben, versioniert und wiederholbar aufgebaut.

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Physisch

Der Prüfbericht

Regelmäßige Sicherheitsinspektionen, Audit-Berichte und Nachweise für Zertifizierungen.

Azure

Compliance Manager

Azure Compliance Manager, Audit Logs und Defender for Cloud — der Nachweis, dass Regeln nicht nur aufgeschrieben, sondern eingehalten werden.

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Physisch

Die Grundstücksgrenze

Wo das Gebäude physisch steht — welches Recht am Standort gilt und wer aus welchem Rechtsraum Zugriff hat.

Azure

Data Residency

Region-Bindung, EU Data Boundary und Microsoft Cloud for Sovereignty — in welchem Rechtsraum die Daten liegen und wer darauf zugreifen darf.

Warum das zählt

Gute Architektur beginnt immer mit Struktur

Niemand baut einen Serverraum, indem er wahllos Server in einen leeren Raum stellt. Es gibt Pläne für Kühlung, Kabelführung, Redundanz, Zutritt. Erst wenn dieses Fundament steht, ziehen die Server ein.

Eine Azure Landing Zone ist genau dieses Fundament — nur digital. Sie definiert vor der ersten produktiven Workload, wie Identity, Netzwerk, Governance, Security und Compliance ineinandergreifen. Wer diese Basis überspringt, baut Technikschulden, die sich später nur teuer zurückzahlen lassen.

01 · Identity

Wer darf was?

Entra ID, PIM, Conditional Access — die Zugriffsschicht wird einmal sauber gebaut, nicht pro Projekt neu erfunden.

02 · Network

Wie fließt der Verkehr?

Hub-and-Spoke, Private Endpoints, Firewall-Policies — die Netzwerktopologie ist tragende Wand, nicht Detail.

03 · Governance

Was ist erlaubt?

Policies, Blueprints, Management Groups — Regeln, die für alle gelten und automatisch durchgesetzt werden.

Zur Diskussion

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