VDI (Virtual Desktop Infrastructure)
Das Urgestein der Desktop-Virtualisierung: Jeder User bekommt eine dedizierte virtuelle Maschine, die zentral im Rechenzentrum läuft. Wann ist klassisches VDI noch sinnvoll — und wann ist DaaS die bessere Wahl?
Was ist VDI?
VDI (Virtual Desktop Infrastructure) beschreibt eine IT-Architektur, bei der Desktop-Betriebssysteme (Windows 10/11, selten Linux) als virtuelle Maschinen im Rechenzentrum laufen und per Remote-Display-Protokoll (RDP, HDX, Blast, PCoIP) zum Endgerät übertragen werden.
Der grundlegende Unterschied zu Terminal Server / RDS: Bei VDI bekommt jeder User eine eigene, dedizierte VM — mit eigenem OS, eigenen Ressourcen, eigenen Admin-Rechten falls gewünscht. Klassisch ist das 1:1-Verhältnis User zu VM.
VDI ≠ DaaS: VDI bezeichnet die zugrundeliegende Technologie-Architektur. DaaS (Desktop-as-a-Service) ist das Service-Modell — VDI wird von einem Anbieter als Cloud-Service betrieben. AVD, Windows 365, Citrix DaaS sind DaaS-Services, die intern VDI-Architektur nutzen.
VDI-Architektur im Überblick
| Komponente | Rolle | Beispiel-Produkt |
|---|---|---|
| Hypervisor | Virtualisiert die physische Hardware | VMware vSphere, Microsoft Hyper-V, Nutanix AHV |
| Broker/Connection-Server | Leitet User zu verfügbaren VMs | Citrix DDC, Omnissa Connection Server, AVD Broker |
| Display-Protokoll | Überträgt Bildschirm zum Endgerät | HDX, Blast Extreme, RDP, PCoIP |
| Storage | Speichert VMs & Profile | SAN, vSAN, Pure Storage, NetApp |
| Profil-Manager | User-Daten über Sessions hinweg | FSLogix, Citrix UPM, DEM |
| Endgerät | Thin Client, PC, Mobile | IGEL, LG Thin Client, normaler PC |
Persistent vs. Non-Persistent
- Persistent VDI (Dedicated): Jede VM gehört einem festen User. Änderungen bleiben erhalten. Hoher Storage-Bedarf (~50-100 GB pro User). Gut für Power-User, Entwickler, CAD.
- Non-Persistent VDI (Pooled): VMs werden nach Logout zurückgesetzt. User-Daten über Profil-Container (FSLogix). Deutlich günstiger, aber braucht gute Applikations-Delivery.
VDI (On-Prem) vs. DaaS (Cloud)
Klassisches VDI (On-Prem)
- KostenCapEx — Hardware, Lizenzen vorab
- SkalierungLangsam — neue Hardware beschaffen
- KontrolleMaximum — eigene Hardware, eigene Daten
- Setup-ZeitMonate
- ComplianceIdeal für Air-Gap & Datenhoheit
DaaS (Cloud)
- KostenOpEx — nutzungsbasiert abrechnen
- SkalierungMinuten — per Klick dazu
- KontrolleGeteilt — Anbieter managt Infra
- Setup-ZeitTage bis Wochen
- ComplianceJe nach Cloud-Region möglich
VDI-Kostenbeispiel (On-Prem, 200 User)
Typisches On-Prem-VDI-Setup für 200 persistente Desktops mit VMware Horizon (5-Jahres-Kalkulation):
| Posten | Einmalig (CapEx) | Jährlich (OpEx) |
|---|---|---|
| Server-Hardware (4× Dell R750) | ~100.000 € | ~5.000 € Wartung |
| Storage (All-Flash, 40 TB) | ~60.000 € | ~3.000 € Wartung |
| Netzwerk (Switches, Firewall) | ~20.000 € | ~1.000 € Wartung |
| VMware vSphere | ~30.000 € | ~8.000 € Subscription |
| Horizon Enterprise (200×) | — | ~48.000 € |
| Microsoft VDA (200×) | — | ~16.800 € |
| Betrieb (1 FTE anteilig) | — | ~50.000 € |
| Summe Jahr 1 | ~210.000 € | ~131.800 € |
| Jahre 2-5 | — | ~131.800 €/Jahr |
| 5-Jahres-TCO | ~870.000 € = ~72 €/User/Monat | |
Vergleich: AVD Multi-Session + Autoscaling käme auf ~30-35 €/User/Monat für vergleichbare Workloads — deutlich günstiger, aber eben Cloud statt On-Prem.
Wann ist klassisches VDI heute noch sinnvoll?
Starke Kandidaten für On-Prem-VDI
- Air-Gap-Umgebungen — Verteidigung, Forschung, KRITIS
- Niedrige Latenz-Anforderungen — Trading, Radiologie mit Live-Bildbearbeitung
- Datenhoheit — Daten dürfen das eigene Rechenzentrum nicht verlassen
- Vorhandene vSphere-Infrastruktur — Hardware bereits abgeschrieben, Skills vorhanden
- Vorhersehbare User-Zahlen — kein Bedarf für schnelles Skalieren
VDI ist NICHT mehr ideal, wenn
- Flexible Skalierung gebraucht wird (saisonal, projektbasiert)
- Remote-Arbeit das primäre Szenario ist (Cloud-DaaS ist effizienter)
- Kein dediziertes Virtualisierungs-Team vorhanden ist
- Kleine Unternehmen mit < 100 Usern (Fixkosten zu hoch)
- GPU-Intensive Arbeit mit Bedarf an neuester Hardware (Azure NVv4 ist oft aktueller als On-Prem)
VDI im DaaS-Vergleich
Die DaaS Maps stellen VDI-Plattformen (Citrix, Horizon, Parallels) im direkten Vergleich zu Cloud-DaaS dar — inkl. TCO-Rechnungen und Migrations-Pfaden. Zum Austausch über VDI-zu-Cloud-Strategien trefft ihr mich auf LinkedIn.