Carsharing, Leasing oder eigenes Auto — welches Cloud-Modell zu Ihnen passt
SaaS, PaaS, IaaS: drei Abkürzungen, die in jeder Cloud-Präsentation auftauchen und selten jemand erklärt. Dabei geht es im Kern um eine einzige Frage — wie viel wollen Sie selbst machen, und wie viel soll jemand anders für Sie erledigen?
Wer ein Auto braucht, hat drei Möglichkeiten: Carsharing, Leasing oder Kauf. Alle drei bringen Sie ans Ziel. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Sie selbst regeln müssen — und wie viel Freiheit Sie dafür bekommen.
Bei Cloud-Diensten ist es genauso. SaaS, PaaS und IaaS sind keine Technologien, zwischen denen man sich entscheidet, weil eine „moderner“ wäre. Es sind Betriebsmodelle: Sie legen fest, wo die Verantwortung des Anbieters endet und wo Ihre beginnt.
Das klingt nach einem Detail für den Vertrag. In der Praxis entscheidet es darüber, wie viele Personen Sie für den Betrieb brauchen, wie schnell Sie etwas ändern können — und wen das Telefon erreicht, wenn nachts etwas ausfällt.
Die Analogie
Drei Wege, ans Ziel zu kommen
Einsteigen und losfahren
Das Auto steht bereit, getankt, gewartet, versichert. Sie entscheiden nur, wohin es geht. Um Reifenwechsel und Inspektion kümmert sich jemand anders — Sie erfahren nicht einmal, wann es passiert.
Der Preis dieser Bequemlichkeit: Sie fahren das Modell, das dasteht. Eine Anhängerkupplung nachrüsten geht nicht.
Mitgestalten im festen Rahmen
Sie wählen Modell, Motorisierung und Ausstattung. Das Fahrzeug gehört Ihnen für die Laufzeit, Sie fahren es täglich und richten es sich ein. Aber das Grundgerüst steht, und für die großen Dinge gibt es die Werkstatt.
Mehr Gestaltungsspielraum als beim Carsharing — dafür tragen Sie mehr Verantwortung für den laufenden Zustand.
Volle Kontrolle, volle Verantwortung
Das Fahrzeug gehört Ihnen. Sie bestimmen alles — und kümmern sich auch um alles: Wartung, Reparatur, Reifen, Werkstatttermin. Wenn morgens etwas nicht anspringt, ist es Ihr Problem.
Dafür kann niemand Ihnen vorschreiben, was Sie umbauen dürfen.
Ein Hinweis zur Einordnung: Citrix und Omnissa sind selbst keine IaaS-Angebote. Ihre Steuerungsebene betreibt der Hersteller als Dienst — die Arbeitsplätze darunter laufen aber auf virtuellen Maschinen, die Sie verantworten. In der Analogie: ein eigenes Auto mit angeschlossenem Werkstattvertrag.
Und die vierte Variante? Das eigene Rechenzentrum entspricht nicht nur dem eigenen Auto — sondern dazu noch der eigenen Garage, der eigenen Tankstelle und der eigenen Werkstatt.
Verantwortung im Detail
Wer macht was — Schicht für Schicht
Die Analogie hilft beim Einstieg. Für die Planung braucht es die konkrete Aufteilung: Welche Schicht betreibt der Anbieter, welche bleibt bei Ihnen? Von unten nach oben wandert die Verantwortung mit jedem Modell ein Stück weiter zu Ihnen.
| Ebene | Windows 365SaaS | Azure Virtual DesktopPaaS | Citrix / Omnissa auf AzureIaaS | Eigenes RechenzentrumOn-Premises |
|---|---|---|---|---|
| Identitäten und Konten | ||||
| Endgeräte der Nutzer | ||||
| Anwendungssicherheit | ||||
| Betriebssystem und Updates | ||||
| Konfiguration der Bereitstellung | ||||
| Netzwerksteuerung | ||||
| Steuerungsebene der Virtualisierung | ||||
| Physische Server | ||||
| Physisches Netzwerk | ||||
| Rechenzentrum und Gebäude |
Darstellung: eigene Zuordnung, orientiert an den Verantwortungsmodellen der jeweiligen Anbieter und zugespitzt auf den Digital-Workplace-Kontext. Vertragliche Regelungen im Einzelfall können abweichen.
Zwei Zeilen fallen auf: Identitäten und Endgeräte bleiben in jedem Modell bei Ihnen — auch beim bequemsten. Wer glaubt, mit einem SaaS-Dienst die Sicherheitsverantwortung abgegeben zu haben, irrt genau an der Stelle, an der die meisten Vorfälle beginnen.
Ähnliches gilt für die Anwendungssicherheit: Microsoft betreibt bei Windows 365 die Plattform, aber welche Anwendungen darauf installiert, wie sie konfiguriert und ob sie aktuell gehalten werden, bleibt Ihre Sache. Deshalb steht dort geteilte Verantwortung — das ist die Zeile, die in Projekten am häufigsten übersehen wird.
Und: Kein Modell ist besser als das andere. Ein Schichtarbeiter mit drei Anwendungen braucht kein eigenes Auto. Ein CAD-Konstrukteur mit Spezialhardware ist mit Carsharing schlecht bedient. Deshalb steht am Anfang jeder Entscheidung nicht die Technik, sondern die Frage, wer eigentlich womit arbeitet.
Was daraus folgt
Das Modell entscheidet über Ihren Kalender
Die Wahl des Servicemodells wird oft als Kostenfrage geführt. Sie ist vor allem eine Personalfrage. Jede Schicht, die bei Ihnen liegt, braucht jemanden, der sie versteht, überwacht und im Störungsfall repariert — nachts, am Wochenende, im Urlaub.
Ein Beispiel: Wenn Microsoft ein Betriebssystem-Update ausliefert, ist das bei Windows 365 eine Nachricht zur Kenntnisnahme. Bei Azure Virtual Desktop ist es ein Vorgang mit Testphase, Golden-Image-Aktualisierung und Wartungsfenster. Im eigenen Rechenzentrum kommt die Hardwareplanung dazu.
Umgekehrt gilt: Je mehr Sie abgeben, desto enger wird der Rahmen. Sonderfälle, die im eigenen Betrieb eine Stunde kosten, sind im SaaS-Modell manchmal schlicht nicht vorgesehen.
Die richtige Frage lautet nicht „Was ist am modernsten?“, sondern „Welche Verantwortung wollen und können wir tragen?“
Technik, die verstanden wird
Mein Anspruch als Architekt ist nicht, dass eine Lösung funktioniert — das ist die Mindestanforderung. Sie soll nachvollziehbar sein: Jede Entscheidung muss sich in einem Satz begründen lassen, den auch jemand versteht, der nicht täglich mit Virtualisierung arbeitet. Wenn die Geschäftsführung nicht erklären kann, warum sie ein Modell gewählt hat, war die Beratung unvollständig.
Die Auto-Analogie ist dafür ein Anfang. Sie ersetzt keine Architekturarbeit — aber sie sorgt dafür, dass am Tisch alle über dasselbe sprechen.
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Dieser Artikel ist Teil von Workplace Decoded.
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