Architektur & Endpoint · Glossar

Zero Trust

Ein Security-Modell, das vom Grundsatz ausgeht: „Vertraue niemals, verifiziere immer.“ Statt einem großen „sicheren Netzwerk“ wird jeder Zugriff einzeln geprüft. In DaaS-Umgebungen ist Zero Trust besonders relevant — weil Ressourcen per Definition außerhalb klassischer Perimeter liegen.

Auf einen Blick
2010
Begriff von John Kindervag
3 Prinzipien
Verify, Least Privilege, Assume Breach
6 Pillars
Identity, Device, Apps, Data, Infra, Network
Entra + CA
Zentrale Microsoft-Tools

Was ist Zero Trust?

Zero Trust ist ein Security-Modell, das auf einer einfachen Prämisse basiert: Ein Netzwerk ist nie sicher, auch nicht das eigene. Jeder Zugriff auf jede Ressource muss explizit verifiziert werden — selbst wenn der Zugreifende bereits „drinnen“ ist.

Der Begriff wurde 2010 von John Kindervag bei Forrester geprägt. Er reagierte auf einen historischen Trend: Klassische Security basierte auf dem Castle-and-Moat-Modell — ein hohes Schloss mit dickem Graben drum herum. Wer innen ist, ist vertrauenswürdig.

Dieses Modell scheitert in der modernen Welt: Mobile User, SaaS-Apps, BYOD, Cloud-Services, Supply-Chain-Attacks. Es gibt keinen klaren „innen“ mehr.

Die 3 Zero-Trust-Prinzipien

PrinzipBedeutungIn der Praxis
Verify ExplicitlyJeder Zugriff wird geprüft (User + Gerät + Kontext)MFA, Conditional Access, Device Compliance
Use Least Privilege AccessMinimum-nötige Rechte, Just-in-Time, Just-EnoughPrivileged Identity Management (PIM), RBAC
Assume BreachAnnehmen: Ein Angreifer ist bereits im SystemSegmentation, Encryption, Monitoring, Threat Detection

Was das konkret bedeutet

  • Auch ein authentifizierter User darf nicht auf alles zugreifen (Least Privilege)
  • Auch aus dem „internen Netz“ kommt kein pauschaler Trust (Assume Breach)
  • Jede Session wird bewertet — nicht nur beim ersten Login (Verify Explicitly)

Die 6 Zero-Trust-Pillars (Microsoft)

Microsoft strukturiert Zero Trust in 6 „Pillars“ — Schutz-Säulen, die zusammen eine komplette Strategie ergeben:

PillarFokusMicrosoft-Tools
1. IdentitiesWer greift zu?Entra ID, MFA, PIM, Conditional Access
2. EndpointsWelches Gerät?Intune, MDE, Defender for IoT
3. ApplicationsWelche App?Defender for Cloud Apps, App Protection Policies
4. DataWelche Daten?Purview, Sensitivity Labels, DLP
5. InfrastructureWo laufen die Services?Defender for Cloud, Azure Policy
6. NetworkWie wird verbunden?Azure Firewall, Private Endpoints, Entra Private Access

Warum DaaS und Zero Trust perfekt zueinander passen

DaaS-Umgebungen sind geradezu prädestiniert für Zero Trust. Der Grund: Es gibt gar keinen klassischen Perimeter mehr, an den man sich klammern könnte.

Warum das so gut zusammenpasst

  • User sitzen überall: Home-Office, Café, Hotel — nicht im „sicheren Firmen-Netzwerk“
  • Cloud-PCs sind per Definition extern für Traditional-IT — Zero Trust ist der richtige Ansatz
  • Session-Kontext ist wichtiger als Netzwerk-Ort — wer, mit welchem Gerät, welche Session?
  • Mehrere Vertrauensgrade: Interne Desktop-Sessions ≠ Gast-Zugriff via Browser ≠ Admin-Session

Ein typisches Zero-Trust-DaaS-Pattern

  1. Login-Anforderung — WHfB oder FIDO2 (phishing-resistent)
  2. Device-Verifikation — nur Intune-Compliant Geräte
  3. Location-Check — Conditional Access prüft Land, Netz
  4. Risk-Evaluation — P2-Identity-Protection prüft Sign-In Risk
  5. Continuous Re-Eval — während der Session (Continuous Access Evaluation)
  6. Session-Scope — Browser-Session vs. Desktop vs. Admin-Scope
  7. App-Level-Policies — pro App eigene Regeln
  8. Data-Protection — Sensitivity-Labels verhindern Daten-Export

Wie ZeroTrust praktisch umsetzen?

Zero Trust ist keine Einzel-Technologie, sondern ein Reifeprozess. Microsofts Zero Trust Maturity Model unterscheidet 4 Stufen:

StufeBeschreibungTypische Maßnahmen
0. TraditionalPerimeter-basiert, statischVPN, Firewall, Passwörter
1. InitialErste ZT-SchritteMFA, Basic Conditional Access
2. AdvancedZT in Kern-ProzessenIntune-Compliance, Device-based CA
3. OptimalZT überall, automatisiertIdentity Protection, MDE XDR, CAE

Starter-Roadmap (sehr vereinfacht)

  1. MFA für alle aktivieren (Monat 1-2)
  2. Legacy-Auth blockieren, Baseline Conditional Access (Monat 2-3)
  3. Alle Endgeräte in Intune enrollen, Compliance-Policies (Monat 3-6)
  4. Device-based Conditional Access aktivieren (Monat 4-6)
  5. PIM für Admin-Rollen einführen (Monat 5-7)
  6. Defender for Endpoint + Identity Protection (Monat 6-9)
  7. App Protection Policies + Data Classification (Monat 9-12)
  8. Continuous Access Evaluation, Advanced Hunting (ab Monat 12+)

Zero Trust ist nie „fertig“ — es ist eine Reise der kontinuierlichen Verbesserung.

Zero-Trust-Patterns in DaaS Maps

Die DaaS Maps zeigen Zero-Trust-Architektur-Patterns für verschiedene DaaS-Plattformen. Für strategische Diskussionen zu Zero-Trust-Rollouts und Maturity-Assessments findet ihr mich auf LinkedIn.